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Fabrics Market

Ein klassischer Anlaufpunkt für zeitweilige Bewohner Shanghais ist der Stoffmarkt. Dutzende, vielleicht hunderte kleine Stände sind hier in eine Halle gezwängt. Sie bieten maßgeschneiderte Anzüge, Blusen, Mäntel und Schuhe. Ein Anzug kostet weniger als 100 Euro und die Qualität ist häufig wirklich gut. Die Kunst dabei ist es, die richtigen Stände auszuwählen und natürlich die Händler um mindestens 30 Prozent runterzuhandeln. Wenn einem das gelingt, zahlt man wohl allenfalls das doppelte des chinesischen Preises… Bislang nenne ich acht maßgeschneiderte Hemden mein eigen, übernächstes Wochenende hole ich zwei Anzüge ab. Ich bin schon sehr gespannt, wie zufrieden ich mit dem Ergebnis sein werde. Ich bin jedoch optimistisch. Ein Kollege hat mir den Stand empfohlen und sein Anzug gefiel mir tatsächlich ausgesprochen gut. Wenn ich wieder zu Hause bin, kann ich euch die Resultate präsentieren. Eine der besten Dinge an dem Markt ist jedoch die Straße davor. Viele findige Streetfood-Händler haben nämlich erkannt, dass hier nach anstrengenden Ver-handlungen und -messungen großer Bedarf an Nahrung herrscht. Darum kann man direkt vor dem Markt köstliches Streetfood genießen. Mein Liebling dort: Gebratene Teigtaschen, mit einer Lauch- und mir unbekanntes Gemüse-Füllung, bespritzt mit leckeren aromatischen Ölen.

12.10.12 09:01


Kleine Betrügereien

Letzte Woche Sonntag hatte ich meine Krankheit soweit überstanden, dass ich wenigstens den letzten Tag meines Urlaubs noch durch einen ausgedehnten Spaziergang durch Shanghai veredeln konnte. Es herrschte strahlender Sonnenschein bei ca. 25 Grad Außentemperatur und ich wanderte durch die Straßen, Parks und Promenaden Shanghais. Immer wieder wird man dabei von interessierten Chinesen angesprochen, die um Fotos bitten oder wissen möchte, wo man herkommt. Tatsächlich sind einige dieser Anfragen offen und aufrichtig. Allzu oft münden sie aber in eine - interessanterweise fast immer identische Betrügerei. Nach einer 5-10 minütigen Unterhaltung laden die neuen Freunde einen nämlich zu einem Minderheiten-Fest ein. Dort gibt es aromatischen Tee. Leider wird die Feierlaune durch die Rechnung getrübt, die dann stets selbst für europäische Verhältnisse astronomische Summen aufweist. Der neue Freund wird dann genötigt, sie zu bezahlen. Sobald also der erfahrende Chinareisende das Wort Minderheitenfest aus dem Mund neuer Freunde hört, dreht er sich um und geht. Mittlerweile habe ich allerdings eine neue Taktik ausgearbeitet, die ich bei nächster Gelegenheit umsetzen möchte. Die nächsten Betrüger, die mich zum Minderheitenfest einladen, werde ich um ein Foto bitten. Derart kann ich euch dann zu Hause die Gesichter zu den Geschichten präsentieren!

12.10.12 08:55


Golden week

Lange habe ich keinen neuen Eintrag mehr in diesen Blog gestellt. Das liegt daran, dass ich leider eine Woche mit einer Grippe und Fieber im Bett lag. Jetzt ist wieder alles in Ordnung. Trotzdem war das sehr ärgerlich. Letzte Woche war nämlich "Golden Week". Das ist eine nationale Ferienwoche. Jeder Chinese hat dann Urlaub. Das umfasste in diesem Fall auch mich. Es gibt noch eine weitere nationale Ferienwoche zum chinesischen Neujahrsfest. Anfang Oktober wurde hingegen einerseits der Nationalfeiertag, der die Gründung der Volksrepublik China am 01. Oktober auf dem Tiananmen Square in Beijing feiert. Dort wurde auch die derzeitige Nationalflagge geschaffen. Diese besteht aus fünf gelben Sternen auf rotem Grund. Ein gelber großer Stern befindet sich oben links in der Ecke und im Halbkreis daneben befinden sich die vier kleineren Sterne. Grundfarbe ist das kommunistische Rot, zugleich auch die Farbe der Han-Chinesen. Zudem gilt es in China als Glücksfarbe. Der große Stern symbolisiert die Führung der kommunistischen Partei, die kleineren Sterne stehen für die vier Klassen: Arbeiter, Bauern, Kleinbürger, die nationale Bourgeoisie. Die Zahl Fünf hat darüber hinaus in der chinesischen Mythologie noch diverse andere Bedeutungen.
 
Diese damals geschaffene Flagge weht also in der "Golden Week" im Oktober über allen Dächern Chinas, um die stolze Nation zu präsentieren. Darüber hinaus fiel in diese Woche dieses Mal auch das Mondfest. Das Mondfest oder Mittherbstfest wird in Asien am 15. Tag des 8. Mondmonats nach dem traditionellen chinesischen Kalender begangen. Es ist ein Familienfest und traditionell versammelt sich die chinesische Familie in dieser Nacht und beobachtet den Mond. Am Mondfest werden Mondkuchen mit verschiedenen Füllungen, z. B. süße, salzige, mit Fleisch oder vegetarische Füllung, gegessen. Ich habe zwei Mondkuchen probiert (Kokusnuss und Nussfüllung) und muss sagen, dass sie nicht das leckerste chinesische Essen sind. Daher geht auch das Gerücht, dass viele Chinesen eigentlich gar nicht mehr unbedingt Mondkuchen essen. Die Sitte, Mondkuchen vor dem Mondfest zu verschenken lebe aber aus anderem Grund weiter. In die Schächtelchen mit den Mondkuchen, die man zum Beispiel dem Bauamt schenkt, lassen sich nämlich wunderbar auch Uhren, Tickets oder kleine Geldumschläge packen. Auch wenn die Mondkuchen dann vielleicht keinen dankbaren Abnehmer finden, finden die Zugaben es sehr wohl.
 
Eine der Sagen um das Mondfest gefällt mir sehr gut, ich habe sie folgender Website entnommen (http://german.china.org.cn/german/97389.htm): In grauer Vorzeit gab es im Himmel zehn sengende Sonnen. Die Kulturen waren welk, so dass das Volk in bitterer Not lebten. Ein kräftiger Held namens Hou Yi bestieg den Gipfel des Kunlun-Berges, spannte den Bogen und schoss auf einmal neun Sonnen herunter. Er befahl der letzten Sonne, jeden Tag pünktlich auf- und unterzugehen, was dem Volk zum Wohl gereichte. Deshalb wurde er vom Volk verehrt und respektiert. Viele Leute, darunter Peng Meng, gingen zu ihm in die Lehre. Hou Yi hatte eine schöne Frau, die Chang'e hieß. Eines Tages ging Hou Yi zum Kunlun-Berg, um einen Freund zu besuchen. Dort traf er auf die Himmelskaiserin. Diese gab ihm ein Lebenselixier und sagte ihm, wenn er das Elixier eingenommen habe, werde er unsterblich sein und zum Himmel steigen können. Da er es nicht übers Herz bringen konnte, seine Frau im Stich zu lassen, gab er seiner Frau das Elixier zur Aufbewahrung. Seine Frau steckte das Elixier in ein Kästchen, was aber von Peng Meng gesehen wurde. Eines Tages nutzte Peng Meng die Gelegenheit der Abwesenheit von Hou Yi und zwang mit dem Schwert Chang'e, das Elixier herzugeben. Da sie wusste, dass sie Peng Meng nicht entkommen konnte, verschluckte Chang'e das Elixier. Sogleich flog sie aus dem Fenster zum Mond, und Peng Meng musste fliehen. Nach Hause zurückgekehrt, wusste Hou Yi darüber Bescheid. Er war tief traurig und rief zum Himmel den Namen seiner Frau. Erstaunt entdeckte er, dass der Mond dieses Tages besonders hell und rund war und dass es im Mond den Schatten eines Menschen gab, der Chang'e sehr ähnlich aussah. Er eilte mit aller Kraft dem Mond nach. Doch sosehr er sich Mühe gab, er konnte ihn nicht einholen. Hou Yi dachte jede Nacht an seine Frau. Er ließ im Hintergarten, wo sich Chang'e oft aufgehalten hatte, einen Tisch mit Weihrauchstäbchen und Früchten, die Chang'e gern aß, aufstellen, um Chang'e im Mondpalast zu opfern. Als die Leute davon erfuhren, dass Chang'e zum Mond geflogen war, stellten sie auch im Mondschein einen Tisch mit Weihrauchstäbchen und beteten zu Chang'e. Seitdem verbreitete sich diese Sitte im Volk.
 
Dank der nationalen Ferien reisen in der Golden Week zwischen 600 und 800 Millionen Chinesen. Entsprechend sehen die Wahrzeichen Chinas in dieser Zeit aus. Auf der großen Mauer kann man in dieser Zeit den Fußboden nicht sehen und außerdem nicht stehen bleiben. Die Menschenmassen schieben jeden unerbittlich vor sich her. Am 03. Oktober haben 180.000 Menschen die Verbotene Stadt besichtigt. Eine meiner Kolleginnen war auch verreist. Sie hatte aber nach eigener Aussage Glück mit den Staus. Sie sind nur einmal in einen Stau geraten. Und "schon" nach 4 Stunden fuhren die Autos wieder…
12.10.12 08:50


Feuer!

Das hier ist jetzt ein beinahe live-blog. Ich saß soeben in meinem Zimmer und hörte plötzlich sehr viele Sirenen heulen. Nachdem es wirklich lang und viele waren ging ich zum Fenster. Vor unserem Haus standen 4 Löschzüge! Ich sah noch eine Mannschaft ausrücken, die tatsächlich hinter unser Haus (der Eingang ist hinten) sprinteten. Zur Erinnerung: Ich wohne im 25. Stock eines 28-stöckigen  Hauses. Schnell habe ich mir überlegt, dass das Feuer wahrscheinlich unter mir ist. Was also tun? Ich griff meinen Reisepass, mein Handy und meine Geldbörse, zog schnell Turnschuhe an und bin in den Hausflur gestürmt. Tatsächlich roch es nach Qualm. Also schien mir der Aufzug keine gute Idee. Kurzer Blick aus dem Fenster: Einige Leute standen in einer Traube vor dem Eingang zum Haus. Aber eine richtige Evakuierung war wohl noch nicht im Gange. Sei es drum - so sehr vertraue ich der Feuerwehr dann auch nicht. Also ins Treppenhaus und runtergerannt. 24. Stock - der Geruch wurde stärker. 23. Stock: Noch ein stärkerer Geruch, leichter Qualm in der Luft, unter mir hörte ich Chinesen brüllen. 22. Stock: Nunmehr richtiger Qualm - auf dem Absatz unter mir stand eine chinesische Frau mit nassem Lappen im Gesicht und brüllte die Treppe runter. Kurzer Gedanke: Nasser Lappen wäre eine gute Idee gewesen. Ich zögerte kurz: Vielleicht doch besser wieder hochgehen, als die Rauchvergiftung zu riskieren? Ich bin dann auf den Absatz der Frau gegangen und sah, dass einen Absatz weiter unten der Feuerwehrmann stand. Ich beschloss, dass der Brand dann wohl im 21. Stock sein müsse und ich daher lieber schnell runtergehen sollte. Habe ich dann auch so gemacht. Schon im 20 Stock war weniger Rauch und nach ca. 5 Minuten war ich an der frischen Luft. Die Feuerwehr ist dann aber tatsächlich 5 Minuten später wieder abgefahren. Der Brand - sofern es denn ein richtiger war - war wohl sehr schnell und noch vor dem Eintreffen der Feuerwehr gelöscht worden. Nur Rauchentwicklung gab es noch. Glück gehabt!

 Jetzt sitze ich wieder gemütlich in meinem Bett. Ich habe mir trotzdem vorhin mal den WEg zum zweiten Fluchttreppenhaus angesehen. Sicher ist sicher. Aber: All' die Katastrophenfilme helfen. Ich habe nicht einmal meinen Laptop eingepackt, sondern bin lieber mal rausgegangen. Vielleicht schaue ich jetzt erstmal "Feuersturm im Wolkenkratzer" (http://www.film-lexikon.de/Feuersturm_im_Wolkenkratzer) .

23.9.12 14:58


Streetfood

Schon in Südamerika habe ich es gemerkt, aber Shanghai beweist es umso mehr: Deutschland fehlt ein wichtiger Baustein, den jede der kulinarische Landschaft aufweisen sollte: Streetfood! Überall in Shanghai stehen auf den Bürgersteigen kleine, fahrbare Herde, die die interessantesten Dinge zubereiten. Es qualmt und duftet, der Wok schleudert durch die Luft, das Feuer zischt ob der Öle, die herabtropfen und hungrige Chinesen reihen sich in die Schlange ein, um für sehr wenig Geld sehr leckere Sachen zu essen. So auch wir gestern Abend. Nachdem wir um 22 Uhr von einem Expat-Event ("Expatriots" - ursprünglich ein Begriff für die Einwanderer aus den USA, nunmehr eigentlich für jeden Ausländer) aufbrachen, auf dem es viel zu wenig Essen, dafür aber Getränke für viel zu hohe Preise gab (über die Expats werde ich sicher noch einmal in einem Eintrag lästern), schlenderten wir ein Wenig durch die Stadt, bis wir an einer Straßenecke auf 3 Street-Food-Stände stießen. Natürlich mussten wir erst einmal Mut sammeln und schauen, wie die Bezahlung läuft, was die Mehrheit der Chinesen so ißt und ob wir nicht eventuell verscheucht werden sollten. Nachdem wir uns aber eine Zeit lang eingewöhnt hatten, befüllten wir ganz fachmännisch einen Korb mit Dutzenden von Spießen, auf denen sich die tollsten Sachen befanden: Verschiedenste Fleischsorten, Pilze, Auberginen und Fisch. Diesen Korb stellten wir dann dem Hexenmeister an einem ca. 2m langen, sehr schmalen "Spießegrill" hin, der sie für uns zubereitete. Jim, ein Engländer, mit dem ich unterwegs war, wählte zusätzlich noch gebratenen Reis am Stand nebenan. Letztlich aßen wir zu Dritt für 40 Yuan (ca. 5 Euro), wurden dabei sicher noch übers Ohr gehauen, waren aber sehr glücklich und satt. Dabei muss man an einem derartigen Street-Food Stand selbstverständlich nicht im Stehen oder auf einer Treppe essen. Sie haben Unmengen kleiner Höckerchen und diverse Klapptische auf ihren Wagen, so dass sie im Handumdrehen für die Kunden ein Straßenrestaurant aufbauen. Ein kühles Getränk kauft man sich dazu im Alldays um die Ecke. Auch wenn man sich hier sicherlich häufig das deutsche Ordnungsamt herbeiwünscht. Das war keiner dieser Momente.
22.9.12 07:46


Fischmarkt

Fischmarkt! Als Hamburger lacht das Herz, wenn man das Wort Fischmarkt hört. Natürlich war ich also sofort am Besuch auf dem Fischmarkt in Schanghai interessiert, als ich hörte, dass dieser rund um die Uhr geöffnet ist und sich damit für einen Besuch nach der Arbeit geradezu aufdrängt. Der Fischmarkt befindet sich erstaunlicherweise nicht in der Nähe des Wassers sondern eher im Westen der Stadt im Stadtteil Putuo. Und was für ein Fischmarkt das ist! Man verlässt die Metro-Station Zhenru und realisiert, dass die Straße erstaunlich nass ist. Es hat doch gar nicht geregnet? Der erste Stand des Fischmarkts erklärt, warum das so ist: Große Teile der gehandelten Ware (geschätzte 30 Prozent) wird lebendig gehandelt. Deshalb haben alle Stände - im Prinzip sind es kleine Ladengeschäfte, in einem gigantischen Gewirr aus Ladengassen, durch das Laster, Autos, Roller, Fahrräder, Menschen und Tiere wuseln - große Wassertanks, in denen sie die Fische aufbewahren. Demgemäß werden diese auch lebend angeliefert, aus großen Becken in Lastwagen. Das Wasser wird hinterher oder zwischendurch einfach abgelassen und auch beim Umladen der Tiere geht ein guter Teil daneben. Das erklärte also die nasse Straße. Und was kreucht und fleucht an den Ständen nicht alles! Lebendige Krebse und Krabben überraschen den Westler ja weniger, auch mit den Hummern hat man gerechnet. Aber alle denkbaren Formen von Fischen schwimmen umher, Seegurken warten auf ihren Käufer und Aale gleiten in Becken übereinander hinweg, dass man sich fragt, ob noch Wasser darin ist oder tatsächlich ausschließlich die Aale selbst. Außerdem Schildkröten in großen Kisten, nach Größe und Art sortiert. Und - besonders bemerkenswert - riesige Frösche und Kröten zu Hunderten quakend unter einem Netz. Gernau wie es offensichtlich die Kröten taten, fragte auch ich mich, wer die eigentlich essen soll. Franzosen habe ich jedenfalls keine gesehen. Auch Tintenfische und Quallen, schwammen um ihr Leben, obwohl sie sicherlich bald in einem chinesischen Kochtopf landen würden. Mehr als eine Stunde lief ich kreuz und quer durch die Gassen und Gässchen und habe doch nicht alle Stände gesehen. Dafür habe ich aber ununterbrochene Werbesprüche der Händler über mich ergehen lassen dürfen. Während ich noch verstehen kann, dass sie mich als Touristen identifizieren konnten, ist mir doch schleierhaft, wie sie vermuten konnten, dass ein solcher gleich eine lebende Seegurke bei ihnen kaufen würde. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass regelmäßig Europäer lebendes Essen auf dem Fischmarkt kaufen. Denn natürlich geht man auf diesen Fischmarkt nur zum Gucken - aber schon das ist es wert.
22.9.12 07:45


Feiern in Shanghai

Dieses Wochenende war ich das erste Mal in Shanghai im örtlichen Nachtleben wirklich unterwegs. Dafür traf ich mit 19 (!) Deutschen zusammen, mit denen wir dann die Straßen Shanghais unsicher machten. 19 nordische Barbaren sorgen für einiges verwirrtes Köpfeverrenken bei den Chinesen. Insbesondere der Kassierer im alldays muss uns wohl für Wikinger auf einem Raubzug gehalten haben. Alldays ist eine der beiden großen Supermarktketten (allerdings mit sehr überschaubarem und recht teurem Angebot), die rund um die Uhr geöffnet sind. Sie zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie meist sehr klein sind und eigentlich nie mehr als 2 Personen gleichzeitig dort einkaufen. So auch hier. Dieser alldays hatte ca. 20. Quadratmeter und war vollkommen leer. Mit 19 Deutschen, die gleichzeitig zum Kühlregal drängten und lautstark das Bierangebot diskutierten, fühlte sich der arme junge Mann hinter der Theke folgerichtig offensichtlich recht unwohl; jedenfalls war er verwirrt. Nachdem wir dann quasi den gesamten Biervorrat eingepackt und bezahlt hatten zogen wir aber (entgegen seiner Erwartungen) weiter, ohne zu brandschatzen.
Dann ging es zum KTV. Tja, was ist KTV? Es ist Karaoke. Natürlich darf man Karaoke hier nicht sagen. Denn Karaoke ist japanisch. Trotzdem ist es Karaoke. KTV ist unglaublich populär in China. Ich habe gelesen, dass sogar die jungen Chinesen abends häufiger zum KTV gehen, als in Kneipen oder Clubs. Dementsprechend groß sind die KTV-Lokalitäten. Man singt nämlich alleine in einem eigenen Raum (den man mietet), mit den eigenen Freunden. Die von uns heimgesuchte Lokalität hatte 5 Stockwerke und auf jedem Stockwerk ca. 20 derartige Räume. Ja, genau - ca. 100 Räume. Es wirkt beinahe wie ein Hotel. Aus allen Türen schallt dumpf Musik, vermischt mit Gesangseinlagen wechselnder Qualität in die Gänge. Hin und wieder öffnet sich eine der Türen und ein seelig grinsender Chinese oder eine verschwitzte Chinesin tritt vor die Tür, wodurch die Musik unmittelbar zu teils infernalischen Lautstärken anschwillt. In die einzelnen Räume kommen dann Kellner. Diese sind mit Einkaufskörben beladen und liefern große Mengen aller möglicher Getränke an die Sangestruppe. Allerdings muss ich hier gestehen, dass das wohl insbesondere bei den Deutschen der Fall ist. Chinesen gehen nämlich auch gerne mittags zum KTV oder sogar in der Öffentlichkeit, z.B. im Park oder einfach auf dem Bürgersteig (es gibt mobile KTV-Geräte). Alkohol ist für sie nicht so wichtig, wie für uns angespannte Deutsche. Sie singen einfach gerne. So übrigens auch geschehen, als mein Kollege Max sich letzte Woche von der Abteilung verabschiedete und erwähnte, dass wir am nächsten Tag zum KTV gehen würden. Plötzlich sahen wir uns mit einer singenden Juristenabteilung konfrontiert. Von wegen asiatische Zurückhaltung… Um diese (die Zurückhaltung) bei den Ausländern abzubauen, gibt es in der Mitte des KTV-Zentrums für Ungeduldige (die nicht auf den Kellner warten wollen) noch eine Art Supermarkt. Dort kann man dann seinen eigenen Einkaufskorb befüllen. Derart hatten wir mehrere Stunden lang einen sehr lustigen Abend, um dann weiter in einen Club zu ziehen.
 
Dieser Club befindet sich, wie vieles in Shanghai (z.B. auch hervorragende Restaurants), was man nicht unbedingt dort erwarten würde, in einem Einkaufszentrum. Eintritt musste man keinen zahlen und die Getränke waren sehr günstig (gibt es aber auch anders). Sonst ist alles wie in Europa. Nur, dass mehr Chinesen um einen rumhüpfen. Allerdings ist die Quote westlich aussehender Menschen doch recht hoch gewesen. Und die Bühnenshow war natürlich auch fest in westlicher Hand. Das gilt als cool. Naja, sonst gibt es vom Club nicht viel zu erzählen, kulturell weniger interessant, als das KTV. Man tanzt ein Wenig, unterhält sich und wacht irgendwann am nächsten Tag mit Kater auf. Eigentlich genau wie in Deutschland.
21.9.12 14:01


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