Startseite
  Über...
  Archiv
  Gästebuch
  Kontakt
 

  Abonnieren
 


 
Letztes Feedback

http://myblog.de/schefzig

Gratis bloggen bei
myblog.de





 
Feiern in Shanghai

Dieses Wochenende war ich das erste Mal in Shanghai im örtlichen Nachtleben wirklich unterwegs. Dafür traf ich mit 19 (!) Deutschen zusammen, mit denen wir dann die Straßen Shanghais unsicher machten. 19 nordische Barbaren sorgen für einiges verwirrtes Köpfeverrenken bei den Chinesen. Insbesondere der Kassierer im alldays muss uns wohl für Wikinger auf einem Raubzug gehalten haben. Alldays ist eine der beiden großen Supermarktketten (allerdings mit sehr überschaubarem und recht teurem Angebot), die rund um die Uhr geöffnet sind. Sie zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie meist sehr klein sind und eigentlich nie mehr als 2 Personen gleichzeitig dort einkaufen. So auch hier. Dieser alldays hatte ca. 20. Quadratmeter und war vollkommen leer. Mit 19 Deutschen, die gleichzeitig zum Kühlregal drängten und lautstark das Bierangebot diskutierten, fühlte sich der arme junge Mann hinter der Theke folgerichtig offensichtlich recht unwohl; jedenfalls war er verwirrt. Nachdem wir dann quasi den gesamten Biervorrat eingepackt und bezahlt hatten zogen wir aber (entgegen seiner Erwartungen) weiter, ohne zu brandschatzen.
Dann ging es zum KTV. Tja, was ist KTV? Es ist Karaoke. Natürlich darf man Karaoke hier nicht sagen. Denn Karaoke ist japanisch. Trotzdem ist es Karaoke. KTV ist unglaublich populär in China. Ich habe gelesen, dass sogar die jungen Chinesen abends häufiger zum KTV gehen, als in Kneipen oder Clubs. Dementsprechend groß sind die KTV-Lokalitäten. Man singt nämlich alleine in einem eigenen Raum (den man mietet), mit den eigenen Freunden. Die von uns heimgesuchte Lokalität hatte 5 Stockwerke und auf jedem Stockwerk ca. 20 derartige Räume. Ja, genau - ca. 100 Räume. Es wirkt beinahe wie ein Hotel. Aus allen Türen schallt dumpf Musik, vermischt mit Gesangseinlagen wechselnder Qualität in die Gänge. Hin und wieder öffnet sich eine der Türen und ein seelig grinsender Chinese oder eine verschwitzte Chinesin tritt vor die Tür, wodurch die Musik unmittelbar zu teils infernalischen Lautstärken anschwillt. In die einzelnen Räume kommen dann Kellner. Diese sind mit Einkaufskörben beladen und liefern große Mengen aller möglicher Getränke an die Sangestruppe. Allerdings muss ich hier gestehen, dass das wohl insbesondere bei den Deutschen der Fall ist. Chinesen gehen nämlich auch gerne mittags zum KTV oder sogar in der Öffentlichkeit, z.B. im Park oder einfach auf dem Bürgersteig (es gibt mobile KTV-Geräte). Alkohol ist für sie nicht so wichtig, wie für uns angespannte Deutsche. Sie singen einfach gerne. So übrigens auch geschehen, als mein Kollege Max sich letzte Woche von der Abteilung verabschiedete und erwähnte, dass wir am nächsten Tag zum KTV gehen würden. Plötzlich sahen wir uns mit einer singenden Juristenabteilung konfrontiert. Von wegen asiatische Zurückhaltung… Um diese (die Zurückhaltung) bei den Ausländern abzubauen, gibt es in der Mitte des KTV-Zentrums für Ungeduldige (die nicht auf den Kellner warten wollen) noch eine Art Supermarkt. Dort kann man dann seinen eigenen Einkaufskorb befüllen. Derart hatten wir mehrere Stunden lang einen sehr lustigen Abend, um dann weiter in einen Club zu ziehen.
 
Dieser Club befindet sich, wie vieles in Shanghai (z.B. auch hervorragende Restaurants), was man nicht unbedingt dort erwarten würde, in einem Einkaufszentrum. Eintritt musste man keinen zahlen und die Getränke waren sehr günstig (gibt es aber auch anders). Sonst ist alles wie in Europa. Nur, dass mehr Chinesen um einen rumhüpfen. Allerdings ist die Quote westlich aussehender Menschen doch recht hoch gewesen. Und die Bühnenshow war natürlich auch fest in westlicher Hand. Das gilt als cool. Naja, sonst gibt es vom Club nicht viel zu erzählen, kulturell weniger interessant, als das KTV. Man tanzt ein Wenig, unterhält sich und wacht irgendwann am nächsten Tag mit Kater auf. Eigentlich genau wie in Deutschland.
21.9.12 14:01
 



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung