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Heimatliche Bräuche

Gestern haben wir Deutschen entschieden, besonders deutsch zu sein. Und wo kann der Deutsche in den Augen der Welt am deutschesten sein? Auf dem Oktoberfest! Glücklicherweise gibt es in Shanghai gleich mehrere Oktoberfeste, die sich zeitlich nur lose am Münchener Oktoberfest orientieren. Also haben wir einen Tisch im örtlichen Paulaner Brauhaus (ja, das gibt es in Shanghai) gebucht und sind mit einer Truppe von 10 Personen (7 Deutsche, 2 Franzosen, eine Engländerin) um 18:00 Uhr dort eingefallen. Außer uns gab es noch zwei andere Tische mit Europäern. Also ca. 90 Prozent der Besucher waren Chinesen.

Schon die vorweg servierten Kleinigkeiten, nämlich grobe Leberwurst, Schmalz und Butter zusammen mit einem extrem leckeren Graubrot, bewiesen, dass das chinesische Essen zwar lecker ist, wir aber augenscheinlich die heimische Küche durchaus vermissen. In kürzester Zeit hatten wir alles verputzt. Dazu gab es natürlich die ersten Biere. Nach dem tatsächlichen Menü (gebratene Ente, auch sehr lecker), verbunden mit weiteren Bieren, marschierte die Band mit viel ufftata und Marschmusik ein.

Leider saßen die meisten Chinesen eher still und brav an ihren Tischen. Schon bei der Bestellung des Tisches hatte der Organisator zu uns gesagt: „Die Deutschen versuche ich immer ins Brauhaus selbst zu setzen – wegen der Stimmung.“ Nun, ich denke, er wird seine Entscheidung nicht bereut haben. Nach den ersten drei Prosits stand unser Tisch schon geschlossen auf den Bierbänken und eine halbe Stunde später hatten wir die Chinesen auch so weit. Gefühlt jeder einzelne wollte mit uns anstoßen und wir sind nunmehr Gegenstand geschätzter 50 chinesischer Internetvideos.

Die Völkerverständigung hat allerdings auch ihre Nachteile. Chinesen neigen im Überschwang beim Anstoßen nämlich häufig dazu, ein schwunghaftes „Gambei“ rauszubrüllen. Das Kommando, nach dem, was auch immer im eigenen Glas ist, gestürzt werden muss. Wie man bei den ausgeschenkten halben Maß auf diese Idee kommen kann, ist mir rätselhaft. Das schwunghafte Trinken ist umso rätselhafter, als dass ca. 56% aller Chinesen ein Enzym für den Alkoholabbau fehlt. Auf jeder Feier oder in jeder Bar bzw. jedem Club  kann man daher bereits in den ersten Stunden auf dem Boden liegende Chinesen beobachten.

Wir sind davon aber ja nicht betroffen, so dass wir mit den Chinesen fröhlich schunkeln, in Polonaise marschieren und lauthals singen konnten. Natürlich konnten sie die Texte nicht. Aber nachdem sie anhand unseres Tisches erkannt hatten, dass man beim Oktoberfest ordentlich Krach machen darf (Krach machen ist meiner Ansicht nach der liebste Zeitvertreib aller Chinesen), hinderte sie die Sprachbarriere nicht mehr. Sie haben auch fröhlich mit Lassos geworfen und sämtliche Albernheiten kopiert. Kopieren können sie ja ohnehin gut. Oktoberfest in Shanghai, ich kann es glatt empfehlen. Das Aufstehen am Morgen danach übrigens nicht.

18.10.12 09:15
 



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